Bausparkassen verschleiern Kosten von Kombikrediten

Bausparkassen Kombi-Kredit

Kombikredite bieten häufig eine Zinsbindung über die gesamte Laufzeit und sind damit besonders planungssicher. Zudem werden sie mit einem niedrigen Effektivzins beworben. Auf den ersten Blick also das optimale Modell zur Hausfinanzierung. Doch Finanztest und die Verbraucherzentralen warnen vor den Kombiverträgen und betiteln sie als Mogelpackungen. Denn die Anbieter nutzen eine Gesetzeslücke, um die tatsächlichen Kosten zu verschleiern.

Was sind eigentlich Kombiverträge?

Bei Kombiverträgen handelt es sich um eine Kombination aus einem Bausparvertrag und einem Darlehen. Hierbei entspricht die Bausparsumme dem Kredit. Die Laufzeit ist zwei Phasen eingeteilt: dem Vorausdarlehen und dem Bauspardarlehen. Zunächst erhält man das Vorausdarlehen und zahlt dafür Zinsen. Gleichzeitig überweist man regelmäßig Geld auf das Bausparkonto, anstatt zu tilgen. Wenn der Bausparvertrag zuteilungsreif ist, löst man den Kredit mit einmal ab und zahlt nun Zinsen und Tilgung für das Bauspardarlehen.

Der wahre Effektivzins liegt meist höher

Die meisten Angebote zum Haus finanzieren verheimlichen jedoch Kreditkosten von mehreren tausend Euro. Laut einer Untersuchung von Finanztest (Ausgabe 2/2014) wird hier ungehindert mit irreführenden Effektivzinsen geworben. Ein Beispiel der Deutschen Bank verdeutlicht dies. Für einen Kredit in Höhen von 100.000 Euro beträgt der Effektivzins der 15-jährigen Phase des Vorausdarlehens 3,25 Prozent, das anschließende Bauspardarlehen hat einen Effektivzins von 2,98 Prozent.

Beide Zahlen sind an sich vollkommen korrekt. Allerdings liegt der Effektivzins für den gesamten Kombivertrag, wie viele Kunden falsch vermuten, nicht irgendwo in der Mitte. Tatsächlich beträgt er bei diesem Angebot 4,05 Prozent. Und das ist kein Einzelfall. Ermöglicht wird das alles durch eine Gesetzeslücke.

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Mogelpackung dank gesetzlicher Versäumnisse

Und so geht der Trick. Die Beiträge der Bausparverträge gehören zwar zur Hausfinanzierung dazu, werden aber nicht mit einberechnet. Der Nachteil der Kombiverträge liegt nämlich darin, dass das eingezahlte Geld weniger Zinsen erwirtschaftet als man zur gleichen Zeit für das Vorausdarlehen bezahlen muss.

Sparzinsen liegen aktuell gerade einmal bei 0,25 bis 1,0 Prozent abzüglich der Gebühren. Die Kreditzinsen auf der anderen Seite betragen allerdings 3,0 Prozent. Die Folge sind hohe Zinsverluste. Laut der Analyse von Finanztest lagen die Effektivzinsen der Kombikredite im Durchschnitt mehr als 20 Prozent höher als die Effektivzinsen für Voraus- und Bauspardarlehen.

Ermöglicht wird das alles, weil der Gesetzgeber trotz Kenntnis des Problems keine gesetzlichen Vorgaben macht. Denn einen Zwang zur Angabe des gesamten Effektivzinses gibt es, allerdings nur bei staatlich geförderten Darlehen.

Worauf ist also zu achten?

Um Kombiverträge besser bewerten zu können, bräuchte man also den gesamten Effektivzins. Eine Recherche ergab jedoch, dass größtenteils nicht einmal die Mitarbeiter der Bausparkassen diesen erfahren.

Schlussendlich bleibt aber zu sagen, dass trotz der verzerrten Angaben die Hausfinanzierung mit einem Kombivertrag günstig sein kann.

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