Beziehungskiller Traumhaus? Stressfaktoren beim Hausbau richtig vermeiden

Hausbau zerstört Beziehung

Der Traum von den eigenen vier Wänden ist für viele Paare ein bedeutendes Lebensziel. Paare, die sich allerdings dazu entscheiden, das Traumhaus selbst zu bauen, stellen die Beziehung meist auf eine harte Probe. Angefangen bei der Planung reißt so manch Beteiligtem schnell der Geduldsfaden. Christian Thiel, Paarberater und Autor, kennt unzählige dieser Fälle und weiß: Der Hausbau zählt zu den häufigsten Beziehungskillern. Im Interview erklärt er, wie Paare im Voraus einige Stressfaktoren vermeiden können.

Paarberater Christian Thiel

Paarberater Christian Thiel Foto: Stephan Jockel

Christian Thiel lebt und arbeitet als Paarberater und Buchautor in Berlin. Von ihm erschienen ist zuletzt: „Liebe heißt, den Partner nicht so zu nehmen wie er ist. Wie Sie durch Veränderungen Ihre Beziehung positiv gestalten.“

Herr Thiel, durch Ihren Job treffen Sie Tag für Tag auf die unterschiedlichsten Paare und deren Geschichten. Wie häufig kommt es da vor, dass Ihnen das Thema Hausbau als Konfliktauslöser genannt wird?

Christian Thiel: Machen wir uns nichts vor: Ein Hausbau bedeutet Stress. Das ist das größte Problem dabei. Die meisten Paare, die ein Haus bauen, haben zudem auch noch kleine Kinder, die ebenfalls einen mehr oder weniger hohen Stressfaktor darstellen. Mit dem Hausbau haben sie jetzt also gleich zwei Faktoren, die Stress verursachen. Da sind Schwierigkeiten vorprogrammiert.

Zudem ist vielen Paaren nicht klar, dass sie vor allem im ländlichen Raum ein sehr hohes finanzielles Risiko eingehen. Richtig schwierig wird es vor allem, wenn es zu einer Trennung kommt. Dann ist ein Haus häufig nur mit einem ganz erheblichen Abschlag loszuwerden. Das Eigenkapital geht auf diese Weise verloren. Daraus folgt, dass jeder den anderen dafür verantwortlich macht. Das schafft immer böses Blut.

Was ist dabei der größte Streitpunkt?

Christian Thiel: Im Rahmen des Bauens übernehmen sich viele Paare finanziell. Das führt dazu, dass nach dem Hausbau kein Geld mehr zur Verfügung steht, um all die Dinge zu tun, die man vorher gerne gemacht hat. Essen gehen, Konzerte besuchen oder in den Urlaub fahren, all diese schönen Aktivitäten müssen dann hinten angestellt werden. Das kann die Stimmung sehr drücken und für Unzufriedenheit in der Beziehung sorgen.

Welche Fragen können sich Paare vor dem Projekt Eigenheim stellen, um herauszufinden, ob ihre Beziehung der Belastung standhalten kann? 

Christian Thiel: Die Probleme liegen meist bei den Dingen, die sich Beteiligte vor dem Bauen noch nicht richtig vorstellen können. Zieht ein Paar für das neue Heim beispielsweise in einen Vorort, dann verliert es den täglichen Kontakt mit vielen Nachbarn und Freunden. Wenn dann auch noch Einkaufsmöglichkeiten ohne Auto schwer zu erreichen sind, kann dies für die Frau, die sich ja in der Regel mehr um die Kinder kümmert, schnell zum Stressfaktor werden.

Nichts davon lässt sich genau planen. Es hilft nur, sich die negativen Erfahrungen anderer Paare sowie die Lage des potenziellen neuen Heims sehr genau anzuschauen. Erst dann sollte entschieden werden, ob ein Hausbau abgelegen auf dem Land oder in einem Vorort wirklich eine gute Idee ist.

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Welche positiven Effekte kann ein Hausbau auf die Beziehung haben?

Christian Thiel: Natürlich hebt ein Haus nach dem Einzug zunächst einmal die Stimmung. Aber an das Haus gewöhnen wir uns ganz schnell, während der lange Weg zu Arbeit oder die unfreundlichen Nachbarn bleiben. Es sind weder aus der Forschung noch aus meiner Beobachtung als Berater positive Effekte eines Hausbaus bekannt. Wir kennen und sehen nur die negativen Effekte. Trotzdem ist ein Haus für viele Menschen zweifellos ein ganz wichtiger Wert und ein erstrebenswertes Ziel.

Welchen Tipp geben Sie Paaren mit, um Konfliktsituationen gemeinsam zu meistern?

Christian Thiel: Paare sollten nicht den Fehler machen, jede Kleinigkeit auszudiskutieren. Ob ein Erker nötig oder ein Kachelofen wichtig ist, ist objektiv mit keinem Mittel dieser Welt festzustellen. Es liegt ausschließlich und nur an den Prioritäten der beiden Beteiligten und an den Gefühlen, die sie mit ihren Wüschen verbinden. Zudem spielt Rücksichtnahme eine große Rolle. Jeder Partner sollte daher Rücksicht auf die Gefühle des anderen nehmen. Beide Seiten sollten sich immer bewusst machen, was es dem anderen bedeutet und warum ihm etwas wichtig ist.

Wie können  Paare trotz Stress eine gesunde Balance zum Alltag, ihrer Beziehung und der Familie halten?

Christian Thiel: Besonders relevant ist die Erkenntnis, dass alle Menschen unter Stress unaufmerksamer und weniger einfühlsam werden. Ich würde also immer für Stressvermeidung plädieren. Paare, die bauen, sollten andere Belastungen zurückfahren und zwar so viel wie überhaupt nur möglich. Sie sollten nach Mitteln und Wegen suchen, die Belastungen durch die Kinder zu reduzieren. Beispielsweise könnten die Großeltern um Unterstützung gebeten werden. Auch die berufliche Situation sollte berücksichtigt werden. Verursacht der Beruf zusätzlich zum Bau Stress oder lässt sich alles gut miteinander vereinbaren?

Alles, was den Stress reduziert, ist gut. Dazu gehört natürlich auch das Gespräch mit dem Gegenüber. Wir müssen die Punkte, die uns stören und die Situationen, in denen wir uns unwohl fühlen, miteinander teilen und dem anderen den Rücken stärken. Wer in dieser Phase ungehalten reagiert oder dem Partner signalisiert „Nun hab dich doch nicht so!“, der hat verloren. Stress lässt sich gemeinsam besser bewältigen. „Wir gegen den Rest der Welt“ – das ist das richtige Motto.

Vielen Dank für das Interview, Herr Thiel.

Besuchen Sie Christian Thiel im Internet

https://www.die-liebe-bleibt.de/

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