Hauskauf ohne Eigenkapital?

Lange Zeit galt beim Kauf eines Hauses: Der Käufer benötigt mindestens 20 Prozent, besser noch 30 Prozent Eigenkapital, um ein Haus zu finanzieren. Mittlerweile gibt es aber auch die Möglichkeit, ein Haus komplett ohne eigene finanzielle Mittel zu erwerben.

Baufinanzierung ohne Eigenkapital

Die alte Regel, dass jeder Hauskäufer mindestens 20 bis 30 Prozent an Eigenkapital in die Finanzierung einbringen muss, ist inzwischen überholt. Jedoch müssen Interessenten bei der Vollfinanzierung einige Nachteile in Kauf nehmen und eine hervorragende Bonität vorweisen können.

Vertrauensgarantie Siegel

Immobilienmarkt Deutschland: Fluch oder Segen?

16. Oktober 2018
Mieten oder Kaufen?

In die Entscheidung zum Kauf oder zur Miete, fließen für Immobilieninteressierte unterschiedlichste Faktoren mit ein. Insbesondere der sich rasant entwickelnde Immobilienmarkt ist einer der ausschlaggebendsten Aspekte wenn es um die Wahl des künftigen Wohnortes geht.  Julian Götting, Mitarbeiter im Research beim Immobilienverband Deutschland (IVD), kennt die aktuelle Lage auf dem Markt und weiß, dass sich…

Jetzt lesen

Antrag auf Baukindergeld ab sofort möglich

18. September 2018

Die Bundesregierung möchte Eltern beim Erwerb von Wohneigentum unterstützen. Aus diesem Grund beschloss die Große Koalition im Juli 2018 die Einführung des Baukindergelds. Seit dem 18. September können Familien und Alleinerziehende die Förderung beantragen. Doch was kann das Bauerkindergeld und für wen ist es erhältlich?

Jetzt lesen

Mehr Grün in Städten: Warum Hauseigentümer auf Gebäudegrün setzen sollten

21. August 2018
bauwerkbegrünung Systeme

Die dichte Bebauung in Städten verursacht zunehmend Probleme bei der Luftzirkulation. Aus diesem Grund setzen immer mehr Kommunen auf begrünte Hausfassaden und Dachflächen. Diese verschönern nicht nur das Stadtbild, sondern tragen vor allem zu einem besseren und gesünderen Klima bei.

Jetzt lesen

Mit der Vollfinanzierung zum eigenen Traumhaus

Hohe Mieten, günstige Bauzinsen und jährlich steigende Immobilienpreise lassen zurzeit viele Menschen darüber nachdenken, jetzt ein Haus zu erwerben. Was noch vor einigen Jahren am Geld gescheitert wäre, ist heute für viele möglich.

Denn die einstige Faustregel der Finanzierungsbranche, dass ein Hauskäufer mindestens 20 Prozent des Kaufpreises durch Eigenkapital stemmen sollte, ist mittlerweile hinfällig geworden.

Die sogenannte Vollfinanzierung, die in anderen Ländern wie den USA oder auch Großbritannien schon seit Jahren üblich ist, gewinnt auch in Deutschland zusehends an Bedeutung. Die Idee dahinter: Die Bank streckt den kompletten Kaufpreis des Hauses vor, damit der Käufer sein neues Heim auch ohne eigene finanzielle Mittel erhalten kann.

Haus finanzieren: Bis zu 120 Prozent für Kaufpreis und Nebenkosten

Gerade dann, wenn sich eine einmalige Kaufgelegenheit anbietet und der potenzielle Käufer noch nicht über entsprechende Rücklagen verfügt, erscheint der Hauskauf ohne Eigenkapital als attraktive Variante, wenn Sie sich ein Haus finanzieren möchten. Hierbei gewähren die Banken und Baufinanzierer bis zu 120 Prozent des Kaufpreises, damit der Kunde nicht nur sein neues Eigenheim, sondern auch anfallende Nebenkosten wie die Notargebühr, die Grunderwerbssteuer und die Maklerprovision finanzieren kann.

Der klare Vorteil für den Käufer: Er kann das Wohneigentum sofort nutzen und muss nicht mit dem Kauf warten, bis er eigenes Kapital angespart hat. Zusätzlich kann er noch von dem derzeitigen Zinstief profitieren und riskiert nicht, dass sein mühsam angespartes Geld in ein paar Jahren für höhere Zinsen, gestiegene Immobilienpreise und noch teurere Baumaterialien ausgegeben werden muss.

Experten sagen: Hausfinanzierung ohne Eigenkapital nicht für jeden sinnvoll

So praktisch und komfortabel das Konzept auf den ersten Blick erscheint, so riskant ist es bei näherer Betrachtung. Zunächst einmal sei klargestellt, dass nicht jeder Kaufwillige die Komplettfinanzierung für das eigene Haus erhalten kann. Wer eine Immobilie ohne Erspartes kaufen möchte, muss Sicherheiten und eine solide Finanzsituation vorweisen. Das Geld fürs Eigenheim gibt es in aller Regel nur dann, wenn der Geldgeber sicher sein kann, dass der Kunde in den kommenden Jahren problemlos und regelmäßig sehr hohe Kreditraten zurückzahlen kann – üblich sind Tilgungsraten von mindestens zwei Prozent. Anders formuliert gibt es die Eigenheimfinanzierung ohne eigene finanzielle Mittel eigentlich nur für Gutverdiener, die einen sicheren Arbeitsplatz nachweisen können.

Die Vollfinanzierung kann aber auch als eine sehr vorsichtige Form der Hausfinanzierung gesehen bzw. genutzt werden. Ein Haus ohne Eigenkapital zu finanzieren bedeutet nicht, dass der Kreditnehmer keines besitzt. Es wird nur nicht zur Finanzierung des Hauses eingesetzt. Dieses Geld könnte man als Rücklage betrachten für den Fall, dass etwas Unerwartetes eintritt, zum Beispiel bei Arbeitslosigkeit oder unvorhergesehenen Kosten.

Welche Sicherheiten kann man zusätzlich zur Baufinanzierung einsetzen?

Wer günstigere Konditionen beim Darlehenszinssatz erreichen möchte, sollte alle Vermögenswerte, auch solche über die man noch nicht verfügen kann, in die Baufinanzierung mit einplanen. Diese können der Bank als zusätzliche Sicherheit dienen.

  • Rückkaufswerte von Versicherungen
  • nicht zuteilungsreife Bausparverträge
  • weitere Sparbriefe
  • andere Immobilien
  • weitere Kapitalanlagen, wie Anleihen, Fonds oder Aktien

Am besten finden Sie in einem persönlichen Gespräch mit einem Baufinanzierungsexperten heraus, welche Sicherheiten Sie zusätzlich bei Ihrer Finanzierung einsetzen können.

Stiftung Warentest hat nachgerechnet: So verteuert geringes Eigenkapital die Hausfinanzierung

Im aktuellen Baufinanzierung Test der Stiftung Warentest haben die Prüfer genau nachgerechnet, wie viel der Hauskauf ohne Eigenkapital eigentlich kostet. Die durchschnittlichen Zinsaufschläge ergeben sich aus den Konditionen von 71 Anbietern.

Quelle: Stiftung Warentest - Finanztest 06/2014

Besonders informativ ist die Übersicht, wie viel die letzten 20 000 Euro der Kreditsumme an Effektivzinsen verschlingen.

Quelle: Stiftung Warentest - Finanztest 06/2014

Auffällig hierbei: Besonders der Sprung auf 80 Prozent Beleihung verteuert die Baufinanzierung maßgeblich. Interessenten sollten deshalb genau nachrechnen, ob eine Vollfinanzierung für sie wirklich „der Weisheit letzter Schluss“ ist.

Pro und Kontra

Die Vorteile beim Hauskauf ohne Eigenkapital liegen auf der Hand. Zum einen ist Eigenkapital nicht zwingend notwendig, zum anderen kann man sofort loslegen. Das ist zum Beispiel dann wichtig, wenn das erträumte Grundstück bzw. Haus kurzfristig zu erschwinglichen Preisen zu erwerben ist oder der Zinssatz besonders niedrig.

Dem gegenüber stehen die Nachteile. Offensichtlich ist zunächst, dass das Kreditvolumen dadurch anwächst. Daraus ergeben sich natürlich höhere Zinskosten. Zudem verlängert sich die Dauer der Tilgung und / oder die Raten steigen. Zu guter Letzt wird die Bank einen höheren Zinssatz fordern, um das gestiegene Risiko zu kompensieren. Dadurch steigen die Kosten dieser Form der Hausfinanzierung weiter.

Pro und Contra in der Kurzfassung

+ Kein Eigenkapital notwendig

+ sofortige Finanzierung

- Zinssatz höher

- Kreditrate höher und / oder längere Tilgungsdauer

Beratung enorm wichtig - Hohe Kosten für die vollständige Baufinanzierung

Hinzu kommt ein zweiter, wesentlicher Aspekt: Ein komplett fremdfinanziertes Haus gibt es nur gegen einen entsprechenden Aufpreis beziehungsweise deutlich schlechtere Kreditkonditionen. Die Banken und Baufinanzierer lassen sich ihr Ausfallrisiko gut bezahlen, so dass Hauskäufer ohne genügend Eigenkapital kräftige Zinsaufschläge hinnehmen müssen. Die Zinsen bei der vollständigen Baufinanzierung sind in aller Regel deutlich höher als bei anderen Krediten. Wenn Sie an dem Kauf eines Hauses und an einer Hausfinanzierung ohne Eigenkapital interessiert sind und sich die Frage stellen „Wieviel Haus kann ich mir leisten?“, dann sollten Sie die höhere Zinsbelastung daher in jedem Fall bedenken.

Passend zum Thema

► Bausparvertrag Vergleich: Wer sich von den niedrigen Zinsen zum Finanzieren getrieben fühlt, für den könnte Bausparen eine lohnende Alternative sein. Wir zeigen die besten Anbieter.

► Baufinanzierung mit Peter Zwegat: Welche Tipps hat der RTL-Schuldenexperte parat?

Experten raten vielfach vom Hauskauf ohne Eigenkapital ab

Von dem Hauskauf ohne Eigenkapital raten Experten in den meisten Fällen ab, denn ein solches Vorhaben – so attraktiv es zunächst auch erscheinen mag – birgt ein äußerst hohes Risiko. Nur wer absolut sicher ist, dass er die fälligen und oftmals sehr hohen Kreditraten einer vollständigen Baufinanzierung in den nächsten Jahren ohne Probleme aufbringen kann, sollte über diese Finanzierungsvariante nachdenken. Schon bei einem Jobwechsel oder einer kurzen Arbeitslosigkeit können Schuldner leicht in Zahlungsschwierigkeiten geraten, die im wohl schlimmsten Fall mit einer Zwangsversteigerung des Eigenheims enden könnten. Gerade jungen Familien ohne Rücklagen, die mit einem Hauskauf ohne Eigenkapital liebäugeln, wird aus diesem Grund immer wieder dazu geraten, mit dem Hauskauf zu warten bis sie sich eine solide finanzielle Grundlage geschaffen haben. Hier können Sie sich unverbindlich beraten lassen und einen Vergleich anfordern.

Wenn Ihnen die Informationen geholfen haben, teilen Sie sie mit Freunden:

Hauskauf ohne Eigenkapital: 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
3,42 von 5 Punkten, basierend auf 19 abgegebenen Stimmen.
Loading...

Der Lock-In-Effekt

Bezahlbare Wohnungen werden zur Mangelware - lesen Sie nach, warum sich immer weniger Menschen den Umzug leisten können und was es mit dem Lock-In-Effekt auf sich hat!

Hauskauf ohne Eigenkapital: Banken und Verbraucherschützer raten ab

Die Nachfrage nach Vollfinanzierungen ist hoch - doch Verbraucherschützer warnen.