Winzig wohnen: Lohnt sich der Weg zum Tiny House?

Tiny House Baugenehmigung

Tiny Houses, das sind winzige Häuser mit rund 15 Quadratmetern Wohnfläche. Ob Land-, Stadt- oder ein mobiles Haus, über die USA kommt der Trend langsam in Deutschland an. Dipl.-Ing. Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren (VPB) erklärt, für wen ein Mini-Haus infrage kommt, welchen Herausforderungen sich die Häuschenbewohner stellen müssen und ob sich der Trend hierzulande durchsetzen wird.

Tiny Houses haben bekanntlich eine sehr geringe Wohn- und Nutzfläche. Vom Single bis zur vierköpfigen Familie: Für wen eignet sich ein solches Mini-Haus?

Eva Reinhold-Postina vom VPB

Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren e.V. (VPB)

Eva Reinhold-Postina: „Tiny“ heißt winzig. Und winzig ist sicherlich eine Definitionsfrage.
Im Schnitt bewohnt der bundesdeutsche Durchschnittsbürger heute 46,7 Quadratmeter - pro Person. Eine Familie braucht entsprechend mehr Platz. Tiny Houses mit ungefähr 15 Quadratmetern Wohnfläche sind also eher etwas für Alleinstehende und Menschen, die ohne viel Drum und Dran leben möchten. Wir beim VPB halten „Suffizienz“, also das Auskommen mit dem Nötigen, in der Tat für einen sehr wichtigen Ansatz, um Kosten und Ressourcen zu sparen.

Im Grunde ist ein Tiny House vergleichbar mit einem großen, gut ausgestatteten Wohnmobil. Welche wesentlichen Unterschiede gibt es zum guten alten Caravan?

Eva Reinhold-Postina: Steht der Wohncontainer auf Rädern, muss er für den Straßenverkehr zugelassen sein. Zudem benötigen sie serielle Zulassungen und Extras müssen individuell beantragt werden. Wohnmobile müssen als solche angemeldet, versichert, versteuert und regelmäßig vom TÜV kontrolliert werden. Dafür dürfen sie im Straßenraum auch länger stehen. Ein Tiny House ist laut Definition ein Haus und damit ortsfest. Jedes Haus muss auf einem Grundstück stehen, auf dem es als solches in der Regel auch genehmigt werden muss.

Das bedeutet, der Bauherr muss für die Genehmigung einige Vorschriften berücksichtigen …

Eva Reinhold-Postina: Ja, es gibt eine Reihe von Regelungen, die einzuhalten sind: Da wäre zunächst die jeweilige Landesbauordnung, die bestimmte Forderungen an einen Wohnraum stellt, wie etwa Dusche, WC, ausreichend Raumhöhe und zweiter Rettungsweg. Hinzu kommen die kommunalen Vorgaben, allen voran der Bebauungsplan, das geltende kommunale Baurecht. Außerdem herrscht für Wohnhäuser eine sogenannte Anschlusspflicht, an Wasser- und Abwasserkanal, Strom, auch an Versorgung wie Müll. All diese Faktoren müssen vorher bedacht werden.

Bleiben wir beim Thema Baugenehmigung. Welche Schwierigkeiten könnten hier, aber auch bei der Suche nach dem geeigneten Grundstück auftreten?

Eva Reinhold-Postina: Egal ob ein konventioneller Hausbau Stein auf Stein oder vorgefertigter Wohncontainer: Wer ein Haus auf einem Grundstück errichtet, der braucht dazu eine Baugenehmigung, mit allem Drum und Dran. Eventuell genügt das Tiny House nicht den Anforderungen des Bebauungsplanes, weil es zu klein ist.

Kommunen haben nach unserer Erfahrung ein starkes Interesse an einer möglichst intensiven Nutzung des ausgewiesenen Baulands. Bebauungspläne, die speziell auf eine Errichtung von Tiny
Houses zugeschnitten wären, sind zwar denkbar, aber entsprechen nicht dem Trend zur Nachverdichtung der Innengebiete von Gemeinden.

Tiny Houses gibt es auch als „Fertigpaket“. Interessenten zahlen dafür zwischen 40.000 Euro und 110.000 Euro. Ist hier eine klassische Baufinanzierung sinnvoll oder bieten sich alterative Finanzierungsmöglichkeiten an?

Eva Reinhold-Postina: Für 40.000 bis 110.000 Euro gibt es nicht nur perfekt ausgestattete Wohnmobile, sondern auch ordentliche vorfabrizierte Wohncontainer. Das ist ein neues Geschäftsfeld einiger Fertighaushersteller, bislang aber eher im Bereich des schnellen Anbauens und Aufstockens eines bestehenden Gebäudes. Geeignet ist diese Art der Bauweise überall, wo es schnell gehen muss oder kein Platz ist, um eine Baustelle einzurichten, also etwa auch auf schwer zugänglichen Stadt- oder Hinterliegergrundstücken.

Ist das Tiny House als Haus konzipiert, wird sich dies wahrscheinlich durch eine klassische Immobilienfinanzierung, auch mit Bausparmitteln, machen lassen. Ist das Haus mobil, muss sicher anders finanziert werden.

Welchen Versicherungsschutz würden Sie Interessenten für ein Mini-Haus empfehlen?

Eva Reinhold-Postina: Hier kommt es wieder darauf an, was es tatsächlich ist: Ein Auto oder ein Haus. Ein Haus sollte immer auch wie ein Haus abgesichert werden, zumindest also mit einer Wohngebäudeversicherung. Sollte das Haus jemals transportiert werden, muss der Transport natürlich auch entsprechend versichert werden.

Werfen wir zum Schluss noch einen Blick in die Zukunft: Wohin bewegt sich der Trend zu den Mini-Häusern in den kommenden fünf Jahren? Und können sich Tiny Houses Ihrer Meinung nach künftig als lebenswerte Alternative zu Mietwohnungen in Städten durchsetzen?

Eva Reinhold-Postina: Wir halten die Idee architektonisch für spannend. Wir setzen uns als Verband für suffizientes und nachhaltiges Bauen und Wohnen ein. Ebenso für den sorgfältigen Umgang mit Ressourcen wie Bauland und Material. Kleine Häuser sind dabei sicher ein Schritt in diese Richtung.
Ob die Lösung allerdings im individuellen Bau von mobilen Kleinsthäuschen liegt, ist zweifelhaft. Da eine der Ideen der Bewegung die individuelle Flexibilität ist, haben die Tiny-House–Besitzer wenig Interesse daran irgendwo dauerhaft sesshaft zu werden. Die Idee ist ja, das Eigenheim mitzunehmen, wohin sie die mobile Gesellschaft auch schickt.

Kommunen wiederum haben ein vitales Interesse an dauerhaften Bewohnern, die ihnen neben Grundsteuer auch verlässlich Einkommensteuer und andere Zuweisungen bringen. Es ist deshalb unwahrscheinlich, dass Kommunen in größerem Stil Bauplätze für Tiny Houses ausweisen werden.

Vielen Dank für das Interview, Frau Reinhold-Postina.

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