Clever planen: So schützen sich Hausbesitzer vor hohen Sanierungskosten

Sanierung Eigenheim planen

Ein Eigenheim ist meist eine Investition fürs Leben. Wer baut, will daher in der Regel, dass am Ende alles perfekt ist. Auch wenn beim Bau alles nach Plan läuft, ist es umso wichtiger, dass Häuslebauer bereits zu Beginn an die Zukunft denken. Denn im Lauf der Jahre können Verschleiß und Mängel, wie zum Beispiel eine defekte Heizungs- oder Lüftungsanlage, auftreten und finanzielle Hürden bilden. Frank Hettler, Leiter vom Informationsprogramms Zukunft Altbau, kennt die häufigsten Stolperfallen und weiß, welche Kosten bei der Sanierung gespart werden können.

Frank Hettler Sanierungskosten Interview

Frank Hettler von Zukunft Altbau

Damit sich eine Sanierung im Nachhinein nicht als Kostenfalle entpuppt, sollten Häuslebauer schon vorab an einige Folgekosten denken. Welche drei Posten werden hier Ihrer Erfahrung nach am häufigsten unterschätzt oder sogar vergessen?

Frank Hettler: Bei der Heizungsanlage sollten die Eigentümer berücksichtigen, dass sich ein Austausch in vielen Fällen schon nach 20 Jahren lohnt. Zumindest sollte ein unabhängiger Fachmann ihnen zukunftsorientierte Möglichkeiten der Wärmeerzeugung erläutern. Für einen eventuellen Heizungstausch ist es klug, frühzeitig jährlich einen Betrag zurückzulegen. Auch für Wartung und Reparaturen ist ein kleiner Betrag zweckmäßig.

Hauseigentümer sollten zudem nicht am falschen Ende sparen und daher bei der Dämmung in einen besseren Standard als den gesetzlich geforderten investieren. Damit ein langfristig tragfähiger Dämmstandard gewählt wird, sollte man sich an den Kriterien der KfW-geförderten Einzelmaßnahmen orientieren. Wer etwa 16 bis 20 Zentimeter Dämmung anbringen lässt, kommt in den Genuss einer staatlichen Förderung. Das macht schnell mehrere Tausend Euro aus und deckt die Mehrkosten ab, die bei einer solchen Dämmstärke entstehen.

Auch über ein Lüftungskonzept wird sich vor der Sanierung oft zu wenig Gedanken gemacht. Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung verbessert neben der Energiebilanz vor allem auch die Luftqualität und damit das Wohlbefinden. Eine spätere Nachrüstung ist dagegen deutlich teurer: Moderne Energiesparfenster mit idealerweise Dreifachverglasung verhindern, dass warme Raumluft - wie bei alten Fenstern – dauerhaft unkontrolliert entweichen kann und kalte Luft hereinströmt. Hauseigentümern empfiehlt es sich daher vorab ein Lüftungskonzept erstellen zu lassen.

Wie viel Geld können die künftigen Hausbesitzer für diese Posten einplanen? Gibt es einen monatlichen Richtwert, den sie einkalkulieren können?

Frank Hettler: So einfach kann man das nicht sagen. Das ist je nach Projekt und Wunsch der Bauherrschaft individuell verschieden und Detailbeurteilung gefragt. Für einen Heizungstausch sollte man beispielsweise einen Betrag im oberen dreistelligen Bereich pro Jahr zurücklegen.

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Es empfiehlt sich nicht nur die Kosten sollten richtig zu planen, auch das Timing spielt eine wichtige Rolle. Welche Termine für sind für die Instandhaltung Pflicht und sollten unbedingt eingehalten werden?

Frank Hettler: Einen terminlichen Zwang gibt es nur beim Austausch der Heizungsanlage. Die Energieeinsparverordnung (EnEV) schreibt seit 2014 vor, dass nach 30 Jahren Betrieb für viele Heizkessel Schluss ist. Hauseigentümer mit einer vor dem Jahr 1988 errichteten Heizungsanlage müssen den Heizkessel daher in vielen Fällen dieses Jahr erneuern lassen. Für mehr als eine Million veraltete Öl- und Gasheizungen gilt in Deutschland im Jahr 2018 die Austauschpflicht. Ob ihre Heizung die gesetzliche Frist überschreitet, können Hauseigentümer auf dem Typenschild, im Schornsteinfegerprotokoll oder in den Bauunterlagen nachlesen.

Besonders wichtig ist, dass bei mehreren Sanierungsmaßnahmen Bautechnik und Ablauf stimmen. Die Sanierungsbausteine sollten sowohl inhaltlich aufeinander abgestimmt sein, etwa die Fenster und die Fassadendämmung, als auch in der richtigen Reihenfolge ausgeführt werden. Sonst können ungeplante Einzelaktionen den Weg zur optimalen Lösung verbauen. Tauscht man beispielsweise die Fenster eins zu eins aus und baut sie im Detail wieder an der bisherigen Stelle mitten in die Außenwand ein, ist eine nachträgliche Dämmung aufwändiger und weniger effizient.

Werfen wir einen Blick in die Zukunft: In welche energieeffizienten Technologien von morgen kann heute schon beim Hausbau investiert werden? Mit welchen Technologien lassen sich die Kosten in der Zukunft so gering wie möglich halten?

Frank Hettler: Photovoltaikanlagen sind bereits heute wirtschaftlich und werfen Gewinn ab. Bis zu sechs Prozent Rendite pro Jahr sind inzwischen möglich. Das ist mehr als viele andere Kapitalanlagen bieten. In wenigen Jahren werden auch Batteriespeicher für den selbst erzeugen Solarstrom wirtschaftlich.

Kleine Blockheizkraftwerke, etwa mit Brennstoffzellen anstatt Verbrennungsmotor, könnten in Zukunft eine wichtigere Rolle spielen, da diese neben der Wärme auch Strom für den Eigenverbrauch erzeugen. Diese Technologie wird derzeit für Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern immer interessanter. Die High-Tech-Anlagen im Keller eignen sich besonders für Haushalte ab vier Personen. Mit der staatlichen Förderung sind die Effizienzpakete unter dem Strich nur noch geringfügig teurer als normale Heizungen.

Wer sein Haus auf eigene Faust baut, kann schnell den Überblick verlieren. An wen können sich die Bauherren für Tipps und Informationen wenden?

Frank Hettler: Ein „Haus auf eigene Faust bauen“ ist bei der vorhandenen Komplexität im Bauwesen kaum noch zu empfehlen. Maximal Einzelmaßnahmen können in Eigenleistung abgedeckt werden. Doch auch dann ist es sinnvoll, einen unabhängigen Baufachmann, beispielsweise einen Gebäudeenergieberater, Architekten oder Ingenieur im Boot zu haben. Wenn Themen am Bau falsch geplant werden, kann es schnell sehr teuer wenden. Da sollte man sich absichern.
Eine gezielte Beratung ist besonders bei einer umfangreicheren Sanierung notwendig. Gebäudeenergieberater sind hier mit am besten geeignet. Sie haben die verschiedenen Gewerke im Blick und gehen umfassend vor, indem sie das Haus vom Keller bis zum Dach untersuchen und ein individuelles Sanierungskonzept erstellen. Die Maßnahmen können dann Schritt für Schritt oder auch in einem Zuge umgesetzt werden. Bei Bedarf überwachen die Experten die durchzuführenden Maßnahmen und unterstützen auch Eigenleister.

Herzlichen Dank für das Interview Herr Hettler.

Zukunft Altbau

Frank Hettler ist Leiter von Zukunft Altbau. Das Informationsprogramm wird vom Umweltministerium Baden-Württemberg gefördert und berät seit 1999 Eigentümer zu Fragen rund um die energetische Sanierung von Gebäuden. Es berät gewerkeneutral, fachübergreifend und kostenlos und wirbt für qualifizierte Gebäudeenergieberater.

Neutrale Informationen gibt es auch kostenfrei über das Beratungstelefon von Zukunft Altbau oder unter www.zukunftaltbau.de

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