Chancen und Risiken der Smart Insurance: Bewährt sich die moderne Hausratversicherung?

Intelligente Haustechnik und Versicherungen Vorteile Nachteile

Der Alltag im eigenen Heim wird immer smarter: Kaffeemaschinen, Lampen oder Staubsauger passen sich an persönliche Bedürfnisse an und lassen sich per App steuern. Auch Versicherer sehen zunehmend Vorteile in den Smart-Home-Geräten, da diese zum Beispiel das Haus vor Schäden und Gefahren schützen können. Sie verknüpfen daher die Technologien mit ihren Angeboten. Doch kann sich der Trend zur smarten Versicherung in Deutschland durchsetzen?

Clemens Conrad Smart Insurance

Clemens Conrad von Vectorform

Die Beliebtheit von künstlicher Intelligenz im Alltag nimmt zu: ob eine Kaffeemaschine, die automatisch mit dem Aufstehen den Lieblingskaffee zubereitet oder eine Heizung, die das Zimmer aufwärmt, bevor der Besitzer das Haus betritt. Laut einer aktuellen Bitkom-Studie könnte die Zahl der deutschen Haushalte, die mit Smart-Home-Technologien vernetzt sind, in diesem Jahr die Millionengrenze erreichen.

In vernetzten Rauchmeldern, Alarmanlagen oder Sensoren an Türen und Fenster sehen auch immer mehr Versicherer großes Potenzial. So findet man vermehrt Angebote für Hausratversicherungen, die im Zusammenspiel mit Smart-Home-Geräten Schäden durch Diebstahl oder Feuer verhindern sollen. In Deutschland wird das Thema hinsichtlich der Datenschutzaspekte jedoch eher misstrauisch behandelt. Clemens Conrad, Managing Director für Experience und User Strategy bei Vectorform, wirft einen Blick auf Chancen und Risiken, die Firmen und Verbraucher bei der Smart Insurance erwarten. Vectorform entwickelt neuartige, digitale Anwendungen für internationale Konzerne. Dadurch verfügt das Unternehmen über große Expertise und Erfahrung hinsichtlich des Einsatzes von künstlicher Intelligenz.

Herr Conrad, was muss Ihrer Meinung nach geschehen, damit sich die allgemeine Skepsis der Deutschen gegenüber neuen Technologien und dem Einsatz von künstlicher Intelligenz im Alltag abschwächt?

Clemens Conrad: Künstliche Intelligenz (KI) wird immer mehr zum Standard bei beliebten elektronischen Geräten, wie dem Smartphone, bei Suchmaschinen wie Google oder Sprachassistenten wie Alexa. Die nutzerfreundliche Bedienung der Geräte und die Vorteile im Alltag werden immer weiter durch KI-Systeme Einzug halten. Durch die steigende Beliebtheit werden die hierzulande angezweifelten Sicherheitslücken dann immer weiter zurücktreten.

Immer mehr Versicherungen bieten eine sogenannte Smart Insurance an. Worin sehen Sie Chancen und Risiken bei der Hausratversicherung, die durch Smart-Home-Technologien unterstützt wird?

Clemens Conrad: Wer an einer Smart Insurance interessiert ist, kann mit einigen Vor- aber auch Nachteilen rechnen.

Chancen

  • Günstigere Tarife aufgrund sinkender Preise für Smart Home-Geräte
  • Viele Sicherheitsfunktionen von altbekannten Sicherheitssystemen lassen sich personalisiert darstellen
  • Hausbesitzer wird in Echtzeit über Veränderungen oder Gefahren informiert
  • Abwehr von Schäden, bevor sie überhaupt geschehen
  • Schnellere Reaktionszeit im Falle eines Schadens
  • Simple Schadensregulierung und Beweisführung

Risiken

  • Bei Serverausfall oder Störung der Verbindung ist keine hundertprozentige Funktionalität gewährleistet
  • Fehlfunktionen durch Stromausfall
  • Es existiert noch kein Industriestandard darüber, welche Geräte wie genutzt werden sollten, um Rabatt bei der Versicherung zu erhalten
  • Missbrauch der erhobenen Daten
  • Fehlinterpretation der gesammelten Daten zugunsten der Versicherer

Bleiben wir bei den Risiken: Was sind die typischen Sicherheitslücken, die Ihrer Erfahrung nach bei Smart-Home-Produkten auftreten können?

Clemens Conrad: Die wohl am häufigsten auftretenden Sicherheitslücken beziehen sich auf die Abhängigkeit der Produkte von Strom und Internet. Sind diese beiden Faktoren gestört oder unterbrochen, besteht die Möglichkeit, dass auch die Funktionalität der Smart-Home-Produkte gestört ist.

Hinzu kommen teils unzureichend gesicherte Schnittstellen in der Programmierung der Produkte. Dadurch können zum Beispiel Hacker über das Internet von außen auf die ungeschützten Geräteschnittstellen zugreifen. Bislang gibt es noch kein ausgereiftes Sicherheitskonzept zur Erkennung und Eingrenzung eines Angriffs auf die Geräte. Ein weiteres Risiko ist natürlich die Fehlverwendung durch den Nutzer selbst.

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Auf welchem Wege können diese Sicherheitslücken verhindert werden?

Clemens Conrad: Kommt es zur fehlerhaften Anwendung durch den Nutzer, liegt das oft an einer komplizierten Nutzeroberfläche. Diese sollte dann optimiert und simpel gestaltet werden. Technische Sicherheitslücken lassen sich durch externe Audits und Beratung von IT-Sicherheitsexperten größtenteils verhindern. Smart-Home-Dienste sollten verlässlich sein, sich automatisch aktualisieren und dabei so wenig wie möglich auf die manuelle Wartung durch den Nutzer angewiesen sein.

Nicht nur die technischen Sicherheitslücken, sondern auch die Angst vor dem Missbrauch ihrer Daten lässt viele vor dem Abschluss einer Smart Insurance zurückschrecken. Wie sollten die Anbieter Datenmissbrauch vorbeugen, um die Privatsphäre ihrer Kunden zu schützen?

Clemens Conrad: Die persönlichen Daten der Kunden, sollten, ganz gleich in welcher Form, nicht weiterverkauft oder weitergegeben werden. Um das nötige Vertrauen zu bewahren, müssen Versicherer die erfassten Kundendaten so weit wie möglich im Netzwerk der Anwender belassen und nicht in der Cloud speichern.

Wie könnte unser smartes, vernetztes Leben und die damit verbundene Sicherheit in fünf bis zehn Jahren aussehen?

Clemens Conrad: Visionär betrachtet? Da fällt mir das Stichwort Natural User Environment ein: Unser Haus erkennt, was wir wann brauchen oder benötigen, und stellt sich komplett von selbst um. In Bezug auf die Versicherung bedeutet das: Das Haus schützt sich selbst.

Realistisch gesehen würde ich sagen, bleibt es wie heute, nur die Anzahl der Geräte im Haushalt und im Alltag der Verbraucher wird stark zunehmen, da sie über die Zeit günstiger und besser werden.

Vielen Dank für das Interview, Herr Conrad.

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