Smart geschützt: Intelligente Versicherungsmodelle auf dem Vormarsch

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Ob Sprachassistenten oder intelligente Küchengeräte: Laut einer aktuellen Studie des Verbands der Internetwirtschaft Eco waren 2017 rund 4,5 Millionen Privathaushalte in Deutschland, also mehr als jeder zehnte, smart vernetzt. Bis 2022 soll sich die Anzahl der smarten Haushalte auf zwölf Millionen fast verdreifachen. Auch Versicherer wie Generali, AXA oder Allianz haben den Nutzen der Smart Home-Geräte bereits für sich entdeckt.

Wassersensoren schlagen Alarm bei Wasseraustritt und beugen so Überschwemmungen sowie teuren Wasserschäden vor. Rauchmelder benachrichtigen bei Rauchentwicklung automatisch die Bewohner oder die Feuerwehr. Gleichzeitig können diese aber auch als Alarmsirenen für den Einbruchschutz verwendet werden. Was vor ein paar Jahren noch als visionär galt, erhält nun Schritt für Schritt Einzug in den Haushalt der Verbraucher. Das realisieren auch immer mehr Versicherer und bieten ihren Kunden eine Hausratversicherung in Verbindung mit Smart Home-Sets an.

Die Smart Insurance soll Schäden präventiv verhindern

Smart Insurance Interviewpartner Pietzonka Schofer

Martin Pietzonka und Jakob Schofer von Connected Living

„Versicherungen versuchen verstärkt, neue Kundenschnittstellen zu besetzen und ihr Image vom reinen Schadenregulierer hin zu einem Partner und „Kümmerer“ für den Kunden zu entwickeln“, weiß Martin Pietzonka, Geschäftsstellenleiter und Senior Innovation Manager bei Connected Living.

Bei einer Smart Insurance werden Versicherungskunden „intelligente Lösungen und vereinfachte Prozesse auf Basis digitaler Technologien angeboten. Dabei greift das System bei Risiko- oder Bedrohungssituationen eigenständig durch Automatisierungsregeln ein und aktiviert im Schadensfall ein intelligentes Notfallmanagement.“ Das Ziel, den Schaden zu verhindern, bevor er entsteht, steht demnach im Vordergrund.

Connected Living ist ein Innovationszentrum, welches branchenübergreifende Partnerschaften zur Entwicklung von Lösungen für das Smart Home sowie das digital vernetzte Leben unterstützt. Für Martin Pietzonka und Jakob Schofer, Projekt- und Innovationsmanager im Innovationszentrum, gehört das Thema Smart Insurance zum Alltag. Faktoren wie einfache Bedienung und Installation, Sicherheit und Datenschutz sind für potenzielle Kunden dabei besonders entscheidend und werden vor dem Kauf der Produkte oft thematisiert. Im Interview erklären die Experten, worauf es bei einer sogenannten Smart Insurance ankommt und welchen Stellenwert sie künftig für Verbraucher und Versicherer einnimmt.

Wie können sich Verbraucher den Nutzen einer Smart Insurance konkret vorstellen?

Martin Pietzonka: Erkennen Sensoren ein Schadensszenario, empfängt der Notfallservice der Versicherung zeitgleich mit dem Nutzer den Alarm des Smart Home-Systems und leitet entsprechende Maßnahmen ein. Reagiert der Kunde nicht innerhalb einer festgelegten Zeitspanne, übernimmt die Versicherung und alarmiert bei Rauchmeldung beispielsweise direkt die Feuerwehr.

Bei Wasser- und Einbruchsalarm versucht das Versicherungsunternehmen zunächst den Nutzer zu erreichen. Bleibt dieser Versuch erfolglos, wird einem kooperierenden Sicherheitsdienst oder Handwerkern über eine Schlüsselkontaktperson oder gar ein smartes Schloss Zutritt zu den Räumen verschafft. Nimmt der Nutzer die Alarme selbst wahr, wird über die Smart Home-App direkt ein Telefonat mit dem Notfallservice hergestellt, um die nächsten Schritte und das Schadensmanagement einzuleiten.

Die Möglichkeiten mit smarten Endgeräten, Anwendungsfälle umzusetzen, sind sehr vielfältig und in Kombination mit angedockten Dienstleistungen der Versicherer entstehen hier völlig neue Kundenschnittstellen, Services und Angebote für Kunden.

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Welche Kosten entstehen den Kunden für Anschaffung, Installation und Wartung der Geräte?

Jakob Schofer: Ein Basisschutz vor Einbruch oder Wasser- und Brandschäden lässt sich auf Basis von Smart Home-Geräten bereits mit wenigen hundert Euro realisieren. Bei gleichzeitigem Abschluss einer Hausratversicherung erhalten Nutzer die Endgeräte in der Regel günstiger oder sogar kostenlos. Bestenfalls können sie im Schadensfall von einem Notfallmanagement profitieren.

Bezieht der Nutzer sein Smart Home-System von einem Versicherer, muss er die Endgeräte häufig selbst installieren. Die Starter-Pakete sind jedoch in der Regel nicht so komplex, dass für die Installation technischen Vorkenntnisse erforderlich wären. Zudem bieten Hersteller Hilfestellungen und Anleitungen, Installationsvideos oder kostenlose Hotlines an.

Zehn Prozent der Privathaushalte in Deutschland sind bereits smart vernetzt. Wie ist Ihre Prognose mit Blick auf die kommenden Jahre?

Jakob Schofer: Der Umsatz in Deutschland im Smart Home-Markt beträgt 2018 etwa 2,5 Milliarden Euro und wird laut Prognose bis 2022 auf rund 5,3 Milliarden Euro mit einem jährlichen Wachstum von 20 Prozent ansteigen. Wir beobachten, dass dieser Wachstumsmarkt für Unternehmen unterschiedlichster Branchen interessant ist und sich diese mit dem Thema aktiv auseinandersetzen. Versicherungen sind hier nur ein Beispiel.

Vor welchen Herausforderungen steht das Thema Smart Insurance, um in der Zukunft erfolgreich zu funktionieren und welche Rolle spielt Ihr Innovationszentrum Connected Living?

Martin Pietzonka: Die Möglichkeiten und Vorteile des Internet of Things und Smart Homes können erst dann voll ausgeschöpft werden, wenn Unternehmen über Branchengrenzen hinweg kooperieren und gemeinsam Lösungen und Geschäftsmodelle aufbauen. Ein schönes Beispiel ist die Versicherungsbranche, die wie beschrieben verstärkt in Kooperationen mit Hardwareanbietern und Servicedienstleistern Smart Insurances anbietet.

Wir bieten eine neutrale Plattform, auf der mehr als 60 Mitgliedsinstitutionen gemeinsam an der Entwicklung kundenzentrierter Dienstleistungen und intuitiv nutzbarer Technologien arbeiten und Kooperationsmodelle über Unternehmens- und Branchengrenzen hinweg aufbauen können.

Vielen Dank für das Interview, Herr Pietzonka und Herr Schofer

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