Hausfinanzierung: Beratung subjektiv gut, aber objektiv mangelhaft

Beratung Banken Image Indikator

Wer eine Zukunft im Eigenheim plant, kommt in den meistens nicht umher, sich mit den finanziellen Schwierigkeiten einer solchen Unternehmung auseinanderzusetzen. Aber das Thema Haus finanzieren ist ein unliebsames, weil kompliziertes Thema. Eine gute Beratung bemisst sich damit in vielen Fällen alleine anhand des persönlichen Eindrucks vom Berater. Wie nun der „Banken Image Indikator“ zeigt, sind viele sehr zufrieden mit ihrem Beratungsgespräch, objektiv betrachtet zeigen sich aber teils gravierende Mängel.

„Finanzberater vermitteln ihren Kunden das Gefühl gut beraten zu werden“

In der Untersuchung „Banken Image Indikator“ von Steffen Sebastian, Professor am Lehrstuhl für Immobilienfinanzierung der Universität Regensburg, wurden insgesamt 1.789 Personen befragt. Diese hatten zuvor über ImmobilienScout24 ein Beratungsgespräch angefordert und dann eine Hausfinanzierung abgeschlossen.

Bei der Untersuchung kam heraus, dass die Interessenten sich bei der Beurteilung der Beratungsleistung vor allem auf ihr Gefühl verlassen. So bewertet der Großteil der Befragten (70 Prozent) die Konditionen und Zinsen der Hausfinanzierung als günstig und ist sich daher sicher eine gute Beratung erhalten zuhaben. Wobei unabhängige Finanzberater einen großen Vertrauensvorsprung vor Banken besitzen. Doch betrachtet man die Gespräche rein objektiv, offenbaren sich schnell Versäumnisse. In gerade einmal der Hälfte aller Fälle (54 Prozent) wurde hinreichend über die Risiken einer Hausfinanzierung informiert.

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Diskrepanz zwischen subjektiver und objektiver Beratungsqualität

Um die Objektivität beurteilen zu können, wurden allen Personen, die ein Haus finanzieren wollen, detaillierte Fragen zum Gesprächsinhalt gestellt. Nach der Auswertung stellte sich heraus, dass ein großer Unterschied zwischen der gefühlten und der tatsächlichen Beratungsleistung herrscht.

Die Liste der „unterschlagenen“ Informationen wirft nun durchaus ein schlechtes Licht auf die Finanzberater und Banken. In 17 Prozent aller Beratung zur Hausfinanzierung wurde ein elementarer Fehler gemacht. Hier erfolgte keine umfassende Auflistung der Lebenshaltungskosten und es wurde nicht ermittelt, ob die Interessenten überhaupt ein Haus finanzieren können.

In 27 Prozent aller Gespräche wurden zudem keine Finanzierungsalternativen vorgeschlagen. Bei Banken ist der Anteil (33 Prozent) sogar größer als bei unabhängigen Finanzberatern (21 Prozent). Außerdem ging man nur bei 41 Prozent der Beratungen auch auf die Nachteile einer Hausfinanzierung ein.

Provisionsmaximierung im Vordergrund?

Professor Sebastian bemängelt auch das in zwei Drittel aller Fälle sich die Berater, was ihre Provision angeht, bedeckt hielten, obwohl sie gesetzlichen zur Aufklärung verpflichtet sind. Genauer gesagt kommen nur 49 Prozent der Finanzberater und 24 Prozent der Bankberater ihrer Aufklärungspflicht nach. „Es drängt sich die Vermutung auf, dass sowohl Finanzberater als auch Banken vor allem ihre Provision maximieren wollen“, so Sebastian. Letztendlich rät er Verbrauchern dazu, sich im Voraus umfassend mit dem Thema zu befassen und in Beratungsgespräche stets kritisch zu hinterfragen.

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